Oldtimer mit lebensfrohen Menschen biegt in die Straße ein.

Leben mit Hoffnung – trotz Pandemie und Katastrophen

Es war der Bruchteil einer Sekunde: Der Oldtimer bog um die Ecke, die Insassen – stilecht gekleidet – sprühten vor Lebensfreude. Ein Druck auf den Auslöser der Kamera und das Bild war im Kasten. Das Foto gehört zu meinen Lieblingsbilder aus Napier, einer Stadt auf der Nordinsel Neuseelands. Denn es verkörpert so viel von dem, was diese Stadt ausmacht.

Jedes Jahr im Februar findet in Napier das Art-déco-Festival statt. Als wir im Rahmen unserer Reise 2017 dort waren, hat mich das Leben und Treiben in der Stadt sehr beeindruckt. Mit dem Festival feiern die Menschen in der Stadt (und es kommen viele von überall her dazu!) das Leben und die Erinnerung.

Das Erdbeben

Denn das Festival erinnert an die schwerste Zeit von Napier, die Zerstörung der Stadt am 3. Februar 1931. Ein Erdbeben machte die komplette Stadt dem Erdboden gleich. Nichts blieb übrig. Teilweise hob sich die Erde um bis zu 2,7 Meter. In mehreren Wellen hob sich die Erde an.
Nach der Zerstörung schlugen manche vor, die Stadt andernorts wieder neu aufzubauen und das ursprüngliche Stadtgebiet einzuebnen. Es konnte nichts mehr repariert werden. Letztlich entschied man sich aber, die Stadt wiederaufzubauen, im Art-déco-Stil.

In Erinnerung an dieses Erdbeben findet daher jedes Jahr das Festival statt. Straßen, Gebäude, die Menschen feiern das Leben. In der typischen Kleidung von damals, mit vielen Oldtimern, Erinnerungsstücken (Wohnsituationen werden liebevoll in der Fußgängerzone nachgestellt), Musik aus den 30er Jahren lebt die Zeit wieder auf und ist sehr präsent.

Mich hat diese Mischung sehr beeindruckt und bewegt. Da ist auf der einen Seite das Erdbeben, das unmittelbar und plötzlich alles zerstörte. Häuser, Gebäude, Lebenswelten, Geschäfte, das politische und gesellschaftliche Leben, alles wurde von einem auf den anderen Moment beendet, zerstört. Übrig blieb ein großes Nichts.

Auf der anderen Seite sind die Menschen, die trotz Zerstörung und Leid sich nicht unterkriegen lassen. Sie bauen alles neu auf. Sie blicken nach vorn und suchen einen Weg. Das Ereignis ist nicht vergessen, aber durch das Erinnern und Auflebenlassen der 30er Jahre im Hier und Jetzt verbinden sich Katastrophe und neue Hoffnung. Nichts ist vergessen, aber es soll sie auch nicht bestimmen, in ihrem neuen Alltag.

Die Menschen in Napier und im Land wissen um die Zerstörungskräfte. Erdbeben können jederzeit wieder auftreten. Sie vorherzusagen geht nur sehr begrenzt. Und doch strahlt diese Freude durch.

Die Pandemie

Heute, im Sommer 2020, haben wir unser „Erdbeben“ in Form der COVID-19-Pandemie. In kurzer Zeit hat sich vieles grundlegend verändert: Homeoffice, Kurzarbeit, Lockdown. Mund-Nasen-Schutz, Abstand halten, Desinfizieren. Alles Dinge, die ungewohnt waren, aber jetzt sein müssen. Statt Umarmung heißt es Abstand halten, statt freundschaftlichem Umgang gilt es, Distanz zu wahren.

Und wer erkrankt, bei dem lässt sich der Verlauf der Krankheit oft nur schwer vorhersagen. Wird es gut ausgehen oder nicht? Gibt es Folgeschäden und wie lange bleiben sie? Welche Rolle spielen Vorerkrankungen, gesundheitliche Konstitution, Lebensführung? Es gibt so viele Variablen und Unbekannte, dass die Unsicherheiten sehr groß sind.

Fazit

Für mich ist die Pandemie vergleichbar mit dem „Erdbeben“: Leben ist etwas Unverfügbares, Geschenktes. Das wird mir in solchen Momenten bewusst. Ob nun bei dem Festival in Napier oder in der Pandemiezeit jetzt.

Der Prediger schreibt in Kapitel 3 seines Buches im Alten Testament, das alles seine Zeit hat und man die Dinge in Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber nutzen und genießen soll.

Vielleicht braucht es mehr diese Gelassenheit und die Orientierung auf das, was im Leben wirklich zählt: Menschen, die mit einem selbst unterwegs sind, mit denen ich unterwegs bin und mehr die Besinnung darauf, dass es einen Gott gibt, der alles gut gemacht hat, so wie es ist. Als Mensch kann ich es nicht besser machen. Als Christ darf ich aber über der Größe Gottes staunen und mich an seinen Geschenken freuen.


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