Danke.

Glauben
OBst und Gemüse, frisch und verabreitet rund um einen alten Leiterwagen angeordnet. Erntedank 1983

Am 1. Oktober 2023 ist Erntedank-Sonntag. Immer am ersten Sonntag im Oktober wird in den Kirchen und Gemeinden Erntedank gefeiert. Im Mittelpunkt steht der Dank für eine gute Ernte, für alles, was im zurückliegenden Jahr gelungen ist. Aber wie viel davon ist Pflicht, Tradition oder Gewohnheit? Ist uns überhaupt zum „Danken“ zumute bei den Themen der Welt?

Ich wurde in diesen Tagen an Erntedank – Danken erinnert. Mehr aus Tradition, denn aus innerer Überzeugung. Es sind andere Themen, die die Tages-Agenda bestimmen:

Ukraine – und anderswo

Immer noch ist Krieg in Europa und darüber hinaus, ein Ende nicht absehbar. Nach dem Überfall im Februar 2019 war die Sorge groß, der Krieg zieht weiter und kommt bis zu uns. Inzwischen gehören die Nachrichten zum Täglichen dazu. Man hat sich arrangiert, weil die Befürchtungen geblieben sind und nicht Realität wurden.

Andere Kriege gibt es schon länger – man hört nichts mehr davon (z.B. Sudan, Syrien, Irak) und andere Regionen stehen kurz davor (China, Philippinen und die Anrainerstaaten). Leider gibt es noch weitere Orte.

Aber das alles ist Alltag und irgendwie auch weit weg. Ja, es ist schlimm und irgendwo zwischen Bedrückend, Beängstigend und Ignoranz. Denn zu nahe darf man das nicht an sich ranlassen, weil es einen sonst nicht mehr loslässt und zu erdrücken droht. Man will ja noch atmen…

Krisen, Pleiten, Katastrophen

Daneben gibt es die anderen Krisen: Was früher das Ozonloch war, ist heute die Klimakrise. Beides zerstört die Erde, wie wir sie kennen. Vom Ozonloch redet keiner mehr, weil es irgendwie verschwunden ist (weniger FCKW?). Die Klima-Krise mit der Erderwärmung macht die Erde kaputt. Alle Ziele sind nicht mehr einzuhalten. Und die „Letzte Generation“ versucht alles aufzuhalten und scheitert doch kläglich, weil sie niemanden mitnehmen und eher wie eine Sekte agieren.

Energiekrise, fragile Wirtschaft, Heizungsumbau, Flüchtlingsbewegung, Klientelpolitik, die Ignoranz der Mächtigen, die da oben – wir da unten; abgehängt, verunsichert, vergessen. Die Liste der negativen Beschreibungen ist lang und wird immer länger.

Meine Scholle – mein Heim

Bereits die Aufzählung der Stichworte und die dadurch im Kopf entstandenen Bilder machen deutlich, dass alles mit allem zusammenhängt. Man kann sich dem nur schwer oder gar nicht entziehen. Wer in dieser Situation als Politiker oder Politikerin „einfache“ Antworten bietet, scheint der Lösungsbringer zu sein. Der andere Weg ist die Flucht ins Private, auf meine Scholle, mein Heim.

Dankbar trotz Krisen

So ist die Großwetterlage im Jahr 2023. Wo ist da Platz zum Danken in oder trotz der Krisen? Ich glaube, dass man sich in diesen Negativbeschreibungen und Krisen unserer Zeit verlieren kann. Je dichter man sie an sich ranlässt, desto mehr nehmen sie einem die Luft zum Nachdenken und Atmen. Man fokussiert sich auf den nächsten Atemzug und den dann folgenden. Für alles andere drumherum bleibt kein Platz, kein Gedanke.

Der Bibeltext zum Erntedank-Sonntag (Lukas 12, 15-21) beschreibt einen Gewinner, der auf seine Leistung, seinen Gewinn (reiche Kornernte) fokussiert war:

https://www.bibleserver.com/NeÜ/Lukas12,15-21

Das trieb ihn um und er malte sich die kommende Zeit in bunten Farben aus. Was er alles machen könnte, um mit und von seinem Reichtum zu leben. Die Bibel beschreibt ihn als Narr, denn der Gewinn, die Ernte, war nicht sein Verdienst. Er mag hart gearbeitet haben, aber Wetterbedingungen, dass die Saat aufgeht, der Boden optimal ist und auch die Pflanzen sehr gute Ergebnisse bringen, das alles liegt nur sehr begrenzt oder gar nicht in seiner Hand.

Dankbarkeit weist weg von mir, öffnet die Augen für Geschenktes:

  • „Danke“ für ein Geschenk zum Geburtstag oder anlässlich eines Besuches.
  • „Danke“ für Selbstverständliches bei mir, was für andere nicht so selbstverständlich ist.
  • „Danke“ für Menschen an meiner Seite oder denen ich zur Seite stehen durfte.

Wenn man anfängt darüber nachzudenken, was als Normal empfunden, aber doch nicht selbstverständlich ist (weil andere es ganz anders als man selbst erleben), dann öffnet es den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Ja, die Krisen dieser Welt sind damit nicht weg und nach wie vor bedrückend nah und Angstmachend. Aber ich kann trotzdem dankbar sein, für viele kleine und große Lichtblicke im Leben, Momente die reich machen, Menschen, die mein Leben und mich erfüllen.

Und Ihr so?

Was fällt euch ein? Welcher Moment im Leben erfüllt euch mit Dankbarkeit? Wer hier anfängt und einen Danke-Baustein nach dem anderen sammelt, baut ein Haus mit vielen Fenster und viel Licht. Es bietet Platz zum Leben und Genießen, ohne den Keller der Probleme zu vergessen.

Vielleicht ist der Erntedank-Sonntag so eine Zeit zum Nachdenken, Fenster öffnen und Licht reinlassen.

Zum Titelbild

Das Titelbild zeigt eine Dekoration zum Erntedank-Sonntag am 2. Oktober 1983 in meiner damaligen Gemeinde. Reich beschenkt konnten wir die Gaben untereinander teilen. Dies war in meiner Erinnerung immer ein besonderer Moment: Beschenkt von Gott mit vielen, vielfältigen guten Gaben dürfen wir weitergeben und verschenken (oder verlosen 😉 ).

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