Bundeskongress Kommunikation der Diakonie im Haus der Kirche in Kassel 2016

Bundeskongress Kommunikation: Gehör finden – Präsenz zeigen

Zum 8. Bundeskongress Kommunikation der Diakonie trafen sich über 200 Kommunikationsfachleute des Verbandes in Kassel. Das Große Leitthema war: „Gehör finden – Präsenz zeigen“. Neben den vier Keynotes sind es vor allem die Workshops und der kollegiale Austausch, was das Treffen auszeichnet. An der Stelle mal ein paar Streiflichter und Beobachtungen.

Beim Vorab-Treffen der Landes- und Fachverbände stand vor allem der kollegiale Austausch im Mittelpunkt: Was macht der Bundesverband, wie ist der Stand der einzelnen Projekte, was kommt demnächst, usw.

veränderte Landschaften für die Kommunikation

Ein Thema konnte leider nur angerissen werden. Aber schon diese kurze Diskussion machte deutlich, dass hier großer Abstimmungs-, Klärungs- und vor allem Gesprächsbedarf besteht. Es war die Frage, wie gehen wir als Diakonie-Öffentlichkeitsleute und auch als Verbände bzw. Einrichtungen mit der veränderten politischen Landschaft um? Überall im Land kommt die AFD in die Parlamente. Rechts von der CDU wächst das politische Spektrum und keiner hat eine Antwort auf die Frage: wie damit umgehen? Denn es ist ja nicht nur, dass hier eine Partei sich rechts von der CDU etabliert. Mit dem Erstarken werden Befürchtungen und Ängste geschürt. Ausgrenzung, Hass Ablehnung und rechtsradikales Denken wachsen deutlich an.

Bisher gibt es keine Antworten, dafür aber großen Gesprächs und Klärungsbedarf. Denn allein die Entscheidung: Wir lehnen diese Einstellungen entschieden ab – reicht nicht mehr, wenn die AFD in die Kommunalverantwortung kommt und in die Parlamente einzieht.

Finanz-Bilanz oder Gemeinwohl-Bilanz?

Thesen für eine Gemeinwohlökonomie
Eine Gemeinwohlbilanz muss die Finanzbilanz ergänzen, fordert Wilfried Knorr, Herzogsägmühle

Die erste Keynote zum Thema „Die Gemeinwohlökonomie – gerechtes Wirtschaften und intelligente Finanzierung des Sozialen Netzes?!“ von Wilfried Knorr, Vorstand Herzogsägmühle war interessant und eine gute Idee von ihm, neben der jährlichen Finanz-Bilanz auch eine Gemeinwohl-Bilanz aufzustellen. Sie soll zeigen, was das Unternehmen zum Gemeinwohl beiträgt (Umwelt, Ökobilanz, Mitarbeiterzufriedenheit, Engagement, usw.) Aber ob dafür dieser Kongress die richtige Plattform war? Ich weiß nicht.

 

 

 

Workshops – die Basis

In den Workshops ging es – wie jedes Jahr – um die große Palette von Kommunikationsthemen: PR 3.0 / Online, Fundraising, Suchmaschinenoptimierung, Präsentation, PR Flüchtlingsarbeit, Kommunikation Arbeitgebermarke, Videocontent fürs Netz, Leichte Sprache. Diese Workshops sind ein wichtiger Seismograph für die Situation der PR in den Einrichtungen. Denn neben dem Lernen und Austauschen spiegeln sie Stand und Herausforderungen der Arbeit vor Ort wieder.

Mein Workshop war in diesem Jahr:

„PR-Arbeit 3.0, Tipps & Tricks“.

Ein Worksho fand am ersten Tag per Skype-Schaltung statt
Zum ersten Mal mit einer Skype-Schaltung im Workshop. Klappte perfekt.

Schwerpunkt: Storytelling. Aus der Not eine Tugend gemacht, fand der Workshop am ersten Tag als Skype-Konferenz statt. Die Technik funktionierte perfekt. Referent und Teilnehmer haben sich sehr schnell auf die neue Situation eingestellt und so wurde der Workshop trotz der Umstände ein Erfolg! (Am zweiten Tag dann live und in Farbe).

„Vergesst Pressemitteilungen“ war die Aufforderung von Peter Berger in seinem Statement dieses Workshops. Pressemitteilungen bedienen nur die eigene Klientel. Sie werden aber sonst kaum beachtet und landen ungelesen im Papierkorb. Durch das Internet kann ein Unternehmen eigene Medienkanäle aufbauen und so das Eigene Bild in der Öffentlichkeit gezielt und besser steuern. Dazu braucht es: Geschichten, statt trockener Sachinformationen.

 

Kleine Gruppen diskutieren in einem Workshop
Workshops – Sie sind eines der zentralen Elemente des Kongresses

Seine Tipps: Eine sehr gut überlegte Idee (braucht die meiste Zeit in der Vorbereitung!); zwei bis drei Zielgruppen; in welchen Kanälen sind sie unterwegs, wie kann man sie am besten erreichen; Storyboard erstellen; Live gehen; Controlling – waren die Stichworte. Geschichten erzählen, Sachverhalte lebendig machen, statt in Pressemitteilungen zu verstecken, das war sein Credo. Manchmal sollte man dabei auch über Bande spielen, wie zum Beispiel Coca Cola mit seinem Happieness-Institut oder die Schwengener Krankenkasse, die das Thema Schwangerschaft ausführlich als Thema darstellt und ganz nebenbei sagt, welche Leistungen sie anbietet.

Ganz nebenbei habe ich endlich auch die ersten Gehversuche mit Snapchat gemacht. Cooles Teil. Nur fehlt mir im Moment noch der Ansatz, wie sich das Tool für die Kommunikationsarbeit nutzen lässt.

Licht und Schatten der Keynotes

Am zweiten Tag kam die erste Keynote so ganz anders daher: Abgelesen vom Manuskript, ohne irgendeine Präsentation und das zum wichtigen Thema: „Diakonische Einrichtungen erfolgreich als Arbeitgebermarke positionieren“.  Sicher braucht es nicht immer eine Schnick-schnack-klicki-bunti-Präsentation ala Powerpoint oder Prezi. Aber dann sollte man mit Sprache, Rhetorik und Witz brillieren. Wenn dann der Referent noch nicht einmal die Plattformen seines Kunden kennt. …

Umso besser war die zweite Keynote von Prof Dr. Lars Harden (aserto) zum Thema „Da kommt was auf uns zu – Herausforderungen für die Kommunikation der Diakonie in Zukunft“. Sein Credo: Bange machen gilt nicht, sondern die Herausforderungen annehmen und aktiv gestalten. Transparent und offen kommunizieren, die „Hyperpersonalisierung“ ernst nehmen als Entwicklung (weniger Masse, mehr individuelle Kommunikation); das führt letztlich zu höherem Aufwand (Ressourcen, Kosten) bei geringer werdendem „Erfolg“; die Möglichkeiten von BigData nutzen, ohne den Datenschutz aus dem Blick zu verlieren.

Insgesamt hatte er sehr anregende, interessante Aspekte, die unbedingt weiter diskutiert und bearbeitet werden müssen. Denn er hat sehr deutlich aufgezeigt, dass sich Kommunikation unaufhaltsam verändert. Und wenn wir nicht mit ziehen und uns darauf einstellen, übernehmen andere das Geschäft. Nur wo geht es weiter? Die Fragerunde zeigte den intensiven Gesprächsbedarf.

Und nächstes Jahr?

Unterm Strich war es eine Tagung die sich gelohnt hat! Nächstes Jahr gern wieder. Der Termin steht schon: Dann aber bitte mit etwas mehr Online-Aktivität als nur den drei, vier Twitterern. Da waren doch bestimmt mehr Onliner unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern!

Übrigens: Es gab ein funktionierendes stabiles WLAN!!! Ein Novum nach den dürren letzten Jahren. Bitte weiter so!


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